Jim Pisani über die Zukunft von Life Fitness und Hammer Strength
Auf der jüngsten FIBO-Messe in Köln trafen wir Jim Pisani, CEO der legendären amerikanischen Marken Life Fitness und Hammer Strength. Er beantwortete uns bei dieser Gelegenheit all unsere Fragen.
Interview von Pierre-Jacques Datcharry
Wie würden Sie die Vision und Strategie für Life Fitness und Hammer Strength für die nächsten fünf Jahre beschreiben?
Jim Pisani:
Vielen Dank! Unsere oberste Priorität liegt in einer vollständigen Präzisierung unserer Strategie. Wir haben das Ziel, zum „Trainingspartner der Wahl“ zu avancieren.
Dazu setzen wir auf zwei legendäre Marken –Life Fitness und Hammer Strength –, die jeweils einen eigenen Zweck erfüllen: sowohl für die Betreiber von Fitnessstudios als auch für alle, die wir „Everyday Athletes“ nennen. Wir sind stolz, unseren Kunden als starker Partner alles aus einer Hand bieten zu können.
Unsere Strategie baut auf der Grundlage auf, dass wir unseren Kunden konsequent zuhören und gemeinsam mit ihnen unser Konzept gestalten. Kundenorientierung bedeutet für uns, zuerst zuzuhören und dann die bestmöglichen Lösungen bereitzustellen.
Mit einer gemeinsamen Tradition, die schon 55 Jahre währt, besteht unsere Herausforderung darin, dieses Erbe anzunehmen und auf eine neue, innovative Weise zum Leben zu erwecken – nicht nur durch Produkte, sondern auch durch einen starken Service und sinnvolle Partnerschaften.
Aus Sicht der Betreiber wollen wir als einziger Anbieter für folgende Anwendungsfelder auftreten:
- Cardio
- Krafttraining
- Functional Training
- Zubehör
- Ein vernetztes digitales Ökosystem
Facility Connect stellt Betreibern Transparenz über ihren gesamten Gerätebestand in Echtzeit zur Verfügung.
Wir bieten auch überall dort, wo Everyday Athletes trainieren möchten, erstklassiges Equipment an:
- Kommerzielle Fitnessstudios
- Premium-Hotels über Atmos
- Wohnobjekte
Die Life Fitness Connect App verbindet Betreiber und Sportler, während die Workout Intelligence von AugieAI™ jede Trainingseinheit in Echtzeit personalisiert.
Unsere Präsenz heute:
- Mehr als 250.000 Fitnesseinrichtungen
- Präsenz in über 160 Ländern
- Mehr als 1 Million Workouts pro Tag
- Mehr als 300 Patente
Was haben Sie als CEO als Erstes verändert? Die Organisation, die Produkte oder die Markenpositionierung?
Jim:
Unsere oberste Priorität lag zweifellos bei unserer Kultur und unseren Mitarbeitern.
Wenn man ein Unternehmen mit einer so unglaublichen Geschichte und dermaßen talentierten Mitarbeitern übernimmt, muss man im ersten Schritt Folgendes klar definieren:
- Unsere Mission
- Unsere Vision
- Unsere Ziele
Nur dann kann man effektive Prozesse aufbauen.
Als Nächstes haben wir die Identität unserer Marken präzisiert.
Anstatt mehrere Marken zu etablieren, haben wir uns für eine Zwei-Marken-Strategie entschieden.
Dabei handelt es sich um zwei starke Marken, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Kunden gerecht werden.
Life Fitness blickt auf eine 55 Jahre währende Innovationsgeschichte zurück – unsere Marke hat sogar das ursprüngliche Lifecycle-Bike erfunden. Kürzlich haben wir unser neues Innovationszentrum, das Nieto Jones Center, eröffnet.
Wir haben auch unsere Markenarchitektur präzisiert:
- Life Fitnessist führend im Premium-Cardiobereich und bietet ein komplettes Fitnesserlebnis an.
- Hammer Strength ist derweil der unangefochtene Marktführer im Bereich Krafttraining und sportliche Leistung.
Unsere Geräte sind auf natürliche Bewegungen ausgelegt, nicht auf einen durchschnittlichen Körpertyp, und basieren auf jahrzehntelanger biomechanischer Forschung.
Symbio hat seit 2024 fünf internationale Designpreise gewonnen, unter anderem den Red Dot Award und den iF Design Award 2025.
Wie einfach ist es heute, den Betreibern und Mitgliedern die Funktion jeder Marke klar zu vermitteln?
Jim:
Der Schlüssel liegt darin, dass jede Marke einen eigenen Zweck erfüllt.
Alles beginnt mit dem Everyday Athlete.
Life Fitness und Hammer Strength erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse – von Cardio bis hin zu reinem Krafttraining –, und bieten den Kunden dabei gemeinsam eine einzige, einheitliche Lösung.
Life Fitness ermöglicht eine vernetzte Fitnesserfahrung über die Life Fitness Connect App, die das Cardio- und Krafttraining auf einer Plattform vereint, einschließlich einer vollständigen Integration der EVOLT-Körperzusammensetzung.
Heute ist ein vernetztes digitales Ökosystem unerlässlich.
Wir integrieren es daher in jedes Marktsegment:
- Hochwertige, preisgünstige Fitnessstudios
- Premium-Fitnessstudios
- Hotels
- Wohnobjekte
Hammer Strength konzentriert sich speziell auf eine starke Performance.
Dank unseren langjährigen Beziehungen zu Universitäten und dem Profisport ist Hammer Strength zur vertrauenswürdigen Marke für Krafttraining für Spitzensportler und professionelle Sportorganisationen avanciert.
Alles läuft innerhalb eines integrierten Ökosystems ab.
Gibt es aus Ihrer Sicht heute zwei gegensätzliche Fitnesswelten – das digitale Modell (wie EGYM) und das traditionelle Krafttraining (wie Hammer Strength)? Oder ergänzen sie sich eher?
Jim:
Sie ergänzen einander.
Die Welt verändert sich, und wir müssen flexibel bleiben.
Manche Sportler verlangen eine weitreichende Konnektivität. Sie wollen ihre Leistung verstehen und durch Daten motiviert bleiben.
Dabei unterstützen wir sie über starke Partner wie EGYM, mit denen wir über eine offene API zusammenarbeiten.
Wir wissen aber auch, dass es eine große Zielgruppe gibt, die ein herkömmliches Training bevorzugt:
- Freihanteln
- Power Racks
- Squats
Viele Menschen wollen weiterhin ohne digitale Ebene trainieren.
Für mich passen diese beiden Ansätze perfekt zusammen.
Wie würden Sie den heutigen Fitnessmarkt in drei Worten beschreiben?
Jim:
Ich würde sagen:
Personalisiert
Die Menschen erwarten zunehmend, dass sich die Technologie an sie anpasst.
Zielgerichtet
Bei Fitness geht es nicht mehr nur um das äußere Erscheinungsbild, sondern auch um Longevity und die allgemeine Gesundheit.
Lebenslang
Training ist nicht mehr nur für eine Lebensphase bestimmt.
Stattdessen ist daraus eine lebenslange Verpflichtung erwachsen, weil die Menschen zunehmend die langfristigen Vorteile verstehen.
Worin liegt der größte Trend, der die Fitnesswelt von heute prägt – Longevity, sportliche Leistung oder Lifestyle-Wellness?
Jim:
Longevity ist bei weitem der Trend, der die größten Veränderungen bewirkt.
Es ist ein riesiger Markt.
Wenn die Menschen älter werden, trainieren sie nicht mehr primär für ihr äußeres Erscheinungsbild, sondern aus folgenden Gründen:
- Sie wollen mit ihren Enkelkindern spielen
- Sie wollen auch mit über 90 noch Golf spielen
- So wollen sich ihre Lebensqualität erhalten
Für Betreiber von Fitnessstudios eröffnet Longevity viele Möglichkeiten für eine langfristige Mitgliederbindung.
Dank unserer langjährigen technischen Erfahrung wissen wir, wie man Gelenke schützen und das Verletzungsrisiko verringern kann, damit die Menschen jahrzehntelang trainieren können – nicht nur ein paar Saisons lang.
Heute nehmen 45 % aller Amerikaner Nahrungsergänzungsmittel ein, die auf ein gesundes Altern abzielen.
Langlebigkeit ist kein Nischenthema mehr.
Sondern die Essenz des Marktes.
Worin wird in Zukunft die größte Veränderung für Fitnessclubs liegen – bei der Technologie, den Geschäftsmodellen oder der Gestaltung der Einrichtungen?
Jim:
Die größte Veränderung wird vom Geschäftsmodell ausgehen.
Bis 2030 werden führende Betreiber über die Mitgliedsbeiträge hinaus folgendermaßen bedeutende Einnahmen erzielen:
- Personalisierte Gesundheitsdienstleistungen
- Datengestütztes Coaching
Zum Beispiel setzt die Workout Intelligence von Augie AI™ künstliche Intelligenz ein, um die biometrischen Anforderungen der Mitglieder zu verstehen und auf dieser Basis ein personalisiertes Training zu empfehlen.
Fitnessstudios müssen sich zu offenen Ökosystemen weiterentwickeln.
Der vernetzte Fitnessmarkt wird bis 2033 voraussichtlich ein Volumen von 9,9 Milliarden Dollar erreichen.
Was schafft für einen Fitnessstudiobetreiber den größten Mehrwert: neue Ausrüstung, digitale Services oder eine nachhaltige Unterstützung für das Unternehmen?
Jim:
In der Schnittmenge aller drei Aspekte.
Man benötigt also:
- Langlebiges Premium-Equipment
- Eine digitale Plattform, die die Betriebseffizienz steigert
- Ein starkes Engagement der Mitglieder, um die Bindung zu fördern
Keines dieser Elemente kann effektiv ohne die anderen funktionieren.
Facility Connect hilft Betreibern bei der Verwaltung der Gerätenutzung, Nutzungsmuster und Wartungsbenachrichtigungen über ein einziges Dashboard.
Gleichzeitig passt sich das Adaptive Flex Deck von Symbio automatisch an den Schritt jedes Sportlers und seine bevorzugte Lauffläche an, um so eine bessere Trainingserfahrung zu ermöglichen.
Worin besteht das Hauptziel Ihrer Zusammenarbeit mit Content-Anbietern wie Les Mills?
Jim:
Bindung.
Für unsere Kunden ist die Mitgliederbindung das A und O.
Les Mills bringt eine enorme Energie und Motivation mit, die die langfristige Mitgliederbindung in Verbindung mit unseren Geräten deutlich stärken kann.
Heute erreicht Les Mills jede Woche 7 Millionen Teilnehmer in mehr als 100 Ländern.
Womit verbringen Sie als CEO die meiste Zeit: mit den Kunden, Produkten oder Ihren Mitarbeitern?
Jim:
Mit meinen Mitarbeitern.
Meine Aufgabe besteht darin, unsere Vision zu definieren, für eine klare Strategie zu sorgen und jedem Mitarbeiter und Partner zu zeigen, dass er uns wirklich wichtig ist.
Eine gesunde Kultur und klare Leitprinzipien führen zum Erfolg.
Jetzt, wo ich älter werde, möchte ich auch sicherstellen, dass ich andere darauf vorbereiten kann, nach mir in die Nachfolge einzutreten.
Ich persönlich beginne jeden Morgen mit einem Workout.
Egal ob auf einem Symbio-Laufband oder unter einer Langhantel von Hammer Strength – ich bin einfach ein weiterer Everyday Athlete, der eben zufällig auch dieses Unternehmen leitet.
Ein Wort zu Ihren Partnern in Frankreich und Belgien?
Jim:
Sie leisten außergewöhnliche Arbeit.
Der Ausdruck„best in class“ trifft hier einmal wirklich zu.
Ich bin begeistert, wie sehr unsere Visionen miteinander harmonieren.
Dass Henri Valcke seine Mitarbeiter wie eine Familie behandelt, spiegelt unsere eigenen Werte perfekt wider.
Wir können ehrliche Gespräche führen, durch die wir uns weiter verbessern können und die dabei immer konstruktiv bleiben.
Ich weiß, warum wir in den letzten fünfzehn Jahren auf dem französischen Markt so erfolgreich waren.
Welchen Rat würden Sie abschließend dem eigenständigen Inhaber eines Fitnessstudios geben, der auf seinem lokalen Markt führend bleiben möchte?
Jim:
Wir konzentrieren uns oft auf technische Daten und das Gerätedesign und vergessen dabei manchmal die menschliche Seite einer Partnerschaft.
Mein Rat ist einfach:
Man darf niemals die menschliche Interaktion aus den Augen verlieren.
Die besten Ideen entstehen oft in der Zusammenarbeit und durch eine sorgfältige Beobachtung, wie sich Menschen tatsächlich in einem Fitnessstudio verhalten – ich nenne das gerne Ethnographie.
Manchmal steht die Lösung nicht im Datenblatt eines Geräts.
Sie liegt dann in der Gastfreundschaft und in der Kommunikation.
Deshalb müssen wir alle langfristig denken.
Wer anderen helfen möchte, ihren Lebensstil zu verändern, wird auch Erfolg haben.
Das Geschäft mag schwierig sein, aber durch echte menschliche Beziehungen können sich unabhängige Fitnessstudios von großen Ketten unterscheiden, in denen die Menschen oft ohne bedeutungsvolle Interaktionen kommen und gehen.